Unser aktueller Freundesbrief Juni 2017


Unser Freundesbrief April 2017


Unser Freundesbrief Februar 2017


Unser Freundesbrief Dezember 2016

Unser Freundesbrief Oktober 2016


Unser Freundesbrief Juli 2016

Unser Freundesbrief Mai 2016

Unser Freundesbrief März 2016


Liebe Freundinnen und Freunde von SchlussStrich,

Karo e.V. ist eine Organisation, die wir als SchlussStrich von Anfang an unterstützt haben, weil wir begeistert darüber sind, wie engagiert sie sich dem  Kampf gegen die sexuelle Ausbeutung von Kindern im deutsch-tschechischen Grenzgebiet stellen. Vieles was uns von dort berichtet wird, macht uns traurig und wütend, aber wir sind auch sehr dankbar, immer wieder zu hören, wie einzelnen Kindern und Jugendlichen so wunderbar geholfen werden kann. Jeder Einzelne ist den Aufwand wert! Das glauben wir von ganzem Herzen.

 

Folgendes schrieb Karo uns im letzten Bericht:

Kinderprostitution findet nach wie vor statt und ist ein globales Problem- mit lebenslangen Folgen für die Betroffenen. Einigen können wir ein Stück weit helfen. Vielen aber auch nicht.

Im Laufe unserer Arbeit stellen wir immer wieder fest, dass das Einstiegsalter in die Prostitution bei 14,16,17 Jahren oder noch viel jünger liegt. Mit Sätzen wie „Das habe ich mit 14 Jahren von meiner Mutter gelernt, die hat mich mit auf die Straße genommen“ oder „Als ich 5 Jahre alt war, musste ich mich an einen Stiefvater verkaufen um meine kleine Schwester zu schützen“ werden wir regelmäßig konfrontiert.

Vor uns stehen dann häufig Menschen, in denen schon so viel zerbrochen ist, dass sie häufig nicht mehr fähig sind, vertrauensvolle Beziehungen zu Menschen aufzubauen. Denen es schwer fällt sich an Regeln und Absprachen zu halten- weil ihre eigenen Grenzen von Kindheit an rücksichtslos und fundamental überschritten wurden. Die im Laufe ihres Lebens immer wieder ausgenutzt und ausgebeutet werden oder auch später selbst ausbeuten und sich innerlich die Schuld für ihr Versagen und ihr Leben geben, „welches keines ist“.

Menschen, insbesondere Kinder, die sexuelle Gewalt erlebt haben, haben häufig Todesangst oder keine Möglichkeit den oder die Täter anzuzeigen. 

Viele sind auch als Erwachsene zu instabil einen Gerichtsprozess auszuhalten. Denn bei diesem sind sie gezwungen Tathergänge detailliert wiederzugeben und müssen sich zusätzlich den häufig bohrenden Fragen des Strafverteidigers der Gegenseite stellen. Ist der oder die Zuhälter eine Bezugsperson gewesen, was sehr häufig der Fall ist, wird eine Aussage noch unwahrscheinlicher. Scham und Schuldgefühle sowie emotionale Abhängigkeit quälen die Opfer lebenslang.

Gerne teilen wir mit Euch einige Auszüge aus einem Gespräch mit Antonin, der schon so jung Opfer von sexueller Ausbeutung wurde:

 „Meine Erlebnisse aus der Vergangenheit sind schwierig zu beschreiben, weil sie für mich immer noch sehr schmerzhaft sind. Ich musste schon als Kind deutschen Männern gefügig sein. Wenn ich bei denen im Auto saß, dachte ich, dass ich verrückt bin, weil ich das mache und dass ich es nicht mehr tun will. 25 Euro würden die Deutschen dafür bezahlen, dass sie was an den Kindern machen. Erst als Jugendlicher bin ich regelmäßig zur Schule gegangen. Ich habe täglich Drogen genommen, um den Schmerz und die Demütigungen der Männer zu ertragen. Durch die Drogenabhängigkeit brauchte ich wieder Geld, und so entstand ein Kreislauf, aus dem ich nicht mehr ausbrechen konnte. Die MitarbeiterInnen von KARO, insbesondere Cathrin Schauer, haben immer an mich geglaubt und mir im letzten Jahr eine neue Lebensperspektive ermöglicht. Ich bin drogenfrei und durch die Operation an meinem Rücken und dem anschließenden Reha-Aufenthalt eröffnen sich mir nun völlig neue Möglichkeiten. Ich fühle mich stark und mutig genug für ein neues Leben“.

Wir bedanken uns bei Euch für alle Spenden an SchlussStrich und werden Karo e.V. auch im nächsten Jahr mit monatlich 1500€ unterstützen.

Mit hoffnungsvollen Grüßen

Steffi Hölscher – 1. Vorsitzende

 

Uwe X. Schäfer

 

 

Veröffentlicht am 4. Dezember 2015 

Unser Partner KARO e.V. berichtet vom Sommercamp

Sommercamp 2015 mit dem Slogan „Möge dich selbst“

 

Anfang Juli fand wieder unser jährliches Zeltlager für die tschechischen Kinder statt, welche wir im Kontext von Beratungsstellenarbeit, Streetwork, Suppenküche und der Familienhilfe antreffen.

Durch langjährige Beziehungsarbeit war es auch dieses Jahr wieder möglich, 18 Kindern eine unbeschwerte, kindgerechte Zeit während des Sommercamps auf einem Freibadgelände zu ermöglichen.
Das Motto des Sommercamps „Möge dich selbst!“ entspricht einer Haltung, die den meisten Kinder fremd ist, da ein positiver Selbstwert häufig gar nicht existiert. Sie kennen keine konstanten und wertschätzenden Beziehungen. Gewalt und Missbrauch zerstören jegliches Selbstvertrauen und das Gefühl wertvoll zu sein. Umso mehr sehen es die MitarbeiterInnen von KARO als ihre Aufgabe, den Kindern das Gefühl von „Es ist gut wie Du bist“ zu vermitteln und ihnen kontinuierlich ihre Stärken, Fähigkeiten und ihre Einzigartigkeit widerzuspiegeln.

Impressionen

Besonders eindrucksvoll war die Leidenschaft für Musik, die fast alle Kinder teilten. Ob durch das gemeinsame Singen vor Mahlzeiten, am Feuer oder durch den Musikwettbewerb- die Kinder sind in der Musik so sehr aufgegangen, haben gesungen, getanzt, geklatscht, sich selbst an Musikinstrumenten ausprobiert. Das, was Musik mit den Kindern macht, steht in so einem starken Kontrast zu deren, oft traurigen und grausamen, Alltag, dass es für mich rational fast nicht fassbar war, wie die Kinder diese Spannung selbst aushalten können.

Sowohl am Anreisetag als auch am Abreisetag konnten bei verschiedenen Kindern psychosomatische Auffälligkeiten beobachtet werden, wie schlimme Bauchschmerzen, Erbrechen oder starke Kopfschmerzen. Andere Auffälligkeiten wie Einnässen, Panikschübe während der Nacht, dissoziative Tendenzen oder schlagartig sexualisierte Verhaltensweisen, selbst schon bei Sechsjährigen, gaben einen kleinen Einblick in das, welchen Einfluss die Prägung und bisherige Erfahrungen bereits auf das Leben der Kinder hat.

Ein achtjähriges Mädchen bedankte sich jeden Abend innerhalb der abendlichen Gruppengespräche dafür, dass wir MitarbeiterInnen den Kindern so eine schöne Zeit bieten und so gut für sie sorgen. Uns kümmern, wenn es ihnen nicht gut geht, mit ihnen spielen, wenn ihnen langweilig ist, sie trösten, wenn sie traurig sind. Das was für jedes Kind selbstverständlich sein sollte, war für dieses Mädchen etwas ganz Besonderes. Solche Aussagen und auch das enorme Bedürfnis von manchen Kindern nach Nähe und Geborgenheit, verdeutlichen den emotionalen Mangel, den viele Kinder dieses Milieus ertragen müssen.

Diese Kinder verdienen es, in ihrem Leben die Erfahrung von Liebe, Geborgenheit und Fürsorge machen zu dürfen, die sie außerhalb des Sommercamps vielleicht nie in dem Maß erleben könnten. Auch wenn es für viele gleichzeitig mit Schmerz verbunden sein wird, können sie so Alternativerfahrungen machen und Beziehungen bauen, die das Potential tragen, ihr späteres Leben zu verändern und positiv zu präge

Lovestory- Prävention wird lebendig

Eine Gruppe von 10-16 jährigen Jungen und Mädchen erstellte eine Lovestory zum Thema Zwangsprostitution. Die realitätsnahe Lebensgeschichte einer minderjährigen Betroffenen von Zwangsprostitution wurde besprochen, reflektiert und prägnante Lebensstationen wurden interaktiv nachgestellt.

Ein aus der Gruppe erwählter Kameramann sorgte für gute Aufnahmen der Szenen.

Als wir im Rahmen der ersten Szene über gewaltgeprägte Kindheiten sprachen, waren sich alle einig: Eine Vergewaltigung ist das schlimmste, was einem Kind passieren kann.

Unheimlich realistisch stellten die Kinder Szenen nach, viele eigene Erfahrungen und Gefühle fanden Raum und kamen zum Ausdruck. Gemeinsam suchten wir nach Lösungsmöglichkeiten in derart scheinbar ausweglosen Situationen, wie der Protagonistin Marcella, die inzwischen drogenabhängig auf dem Strich anschaffen gehen musste.

Alle Kinder waren sich spontan einig: sie würden sich bei KARO Hilfe suchen.

Das ist ein großes Vertrauen, welches uns entgegengebracht wird.

Wir alle waren stolz mit welchem Engagement und Leidenschaft die Gruppe die Love-Story produzierte, manchmal wild lachend, manchmal still, nachdenklich  und in-sich-gekehrt.

 

Die Lovestory hängt jetzt in der Beratungsstelle Marita P. aus. Dadurch können alle Kinder, die zur Beratungsstelle kommen, sie lesen. Und wir können mit Ihnen darüber sprechen.

 

Veröffentlicht am 17. November 2015

 


Ein neuer Bericht aus der Dortmunder Mitternachtsmission

Liebe Freundinnen und Freunde von SchlussStrich,

 

Hier der neueste Bericht unseres Partners, der Dortmunder Mitternachtsmission.

Was wir hier lesen müssen, ist unfassbar traurig und macht so wütend.

Wie gut, dass unsere Sozialarbeiter dort vor Ort sind. Wie gut, dass es für Menschen wie Anna diese Hilfsangebote gibt. Das darf sich niemals ändern. Nein, es soll mehr werden und genau dafür

                          ist SchlussStrich da. Danke, Danke, Danke … für Eure Unterstützung und Euer Vertrauen.

 

                          Mit ganz lieben Grüßen

                     Steffi Hölscher – 1. Vorsitzende SchlussStrich e.V.

 

 

Liebe Mitglieder, liebe Leser,

ich hatte schon einmal von Anna berichtet. Sie leidet heute an einer paranoiden Schizophrenie. Sie sagte, unüberwindbare Konflikte mit der damaligen Partnerin ihres Vaters, keine verlässlichen Werte und Regeln („Was heute gesagt wurde, galt morgen schon nicht mehr und schon gar nicht für alle“) und ihr Drogenkonsum hätten damals dafür gesorgt, dass sie mit 16 von zu Hause weggegangen sei.

Anna war zunächst bei ihrem älteren Freund eingezogen. Geld war immer knapp. Sie hatte noch ihren Schülerjob. Sie jobbte in einem Café und ein Gast bot ihr einfach Geld an, wenn sie mit ihm nach Hause ginge. Da er kein Unbekannter war und sie Geld brauchte, verabredete sie sich nach Feierabend mit ihm. Anna fand das erste Mal auch gar nicht schlimm. Ihr Freund trennte sich etwas später von ihr, weil er eine Andere kennengelernt hatte.

Ihr Kunde stellte ihr Freunde vor, mit denen sie sich auch traf. Manchmal wünschte sich der Mann, dass ein Freund dazu kam. Es wurden sexuelle Praktiken von ihr gewünscht, die sie lange ablehnte, aber irgendwann gab sie dem Druck nach und willigte ein. Einmal wurde sie zu einer Party eingeladen und musste das erste Mal drei Männer hintereinander bedienen. Sie nahm immer mehr Drogen zu sich und auch dafür brauchte sie Geld. Irgendwann wurde sie dann nachts von der Polizei aufgegriffen. Sie saß in einem Hauseingang und konnte sich nicht mehr bewegen. Sie war längere Zeit im Krankenhaus.

Danach kam sie bei einem Mann unter, den sie in der Klinik kennengelernt hatte. Das war die Hölle! Er nutzte sie schamlos aus. Aber sie hatte nur noch ihn. Wohnungslosigkeit, wechselnde Schlafmöglichkeiten und weitere Klinikaufenthalte folgten.

Wir lernten uns kennen. Im Bericht von Januar habe ich geschrieben, dass Anna ein kleines möbliertes Zimmer anmieten konnte. Aufgrund ihrer Erkrankung konnte Anna nicht arbeiten. Mit der Perspektive – vielleicht immer –  in dieser Situation zu sein, kam Anna nicht klar. Sie hatte sich ein ganz „normales Leben“ gewünscht: Mann, Kinder, kleiner Job und wenn´s reicht ein kleines Haus mit Garten. Jetzt war sie manchmal so müde, dass sie gar nicht aufstehen konnte. Auch die Medikamente machten sie sehr müde.

Also, Anna hatte ein kleines Zimmer gefunden. Eines Nachts schellte es bei ihr. Sie öffnete nicht. Es wurde weitergeschellt. Sie sah aus dem Flurfenster und öffnete es. Am Hauseingang stand ein Mann. Sie fragte, was denn los sei?

Der Mann antwortete, er sei mit Mike (Mike war ein Nachbar von Anna) verabredet. Der wäre aber noch nicht zu Hause und Mike hätte ihm angeboten, ein paar Tage bei ihm zu pennen. Ob er solange bei ihr warten könnte?

Anna ließ ihn in ihre Wohnung. Kaum war die Tür geschlossen, zog er eine Waffe und befahl ihr still zu sein, sonst bringe er sie um. Fast 4 Stunden war sie in seiner Gewalt. Sie musste sich ausziehen und demütigende Posen und Handlungen vornehmen. Wenn sie sich weigerte, zwang er sie mit Gewalt. Er nahm ihr Geld und Handy ab. Zu sexuellen Übergriffen kam es nicht. Dann ging er wieder. Sie lief zur nächsten Polizeiwache und stellte eine Anzeige. Danach meldete sie sich bei uns.

Ich war überrascht, wie ruhig Anna anschließend alles erledigte, was zu tun war. Es blieb so ein Gefühl, dass dies eigentlich nicht so sein könnte. Nicht dass sie die furchtbare Nacht völlig verdrängte. Sie sprach oft darüber, was passiert war und dass sie wirklich Todesangst gehabt hätte. Dann von einem Tag auf den anderen, sie konnte nicht schlafen und war die ganze Nacht draußen gewesen, war sie verändert. Sie war verwirrt und machte zeitweise ungewollte Bewegungen.

Wir brachten sie ins Krankenhaus. Dort war sie längere Zeit. Nun hat sie ihr Leben außerhalb wieder aufgenommen. Alles geht nun sehr langsam und Anna ist sehr schnell erschöpft und muss sich ausruhen. Wir werden sie sicherlich noch eine lange Zeit begleiten.

Mit der jetzt begonnen medikamentösen Behandlung gehen die Ärzte davon aus, dass sie weitgehendst symptomfrei leben kann.

Mit herzlichen Grüßen aus der Mitternachtsmission

 

Silvia Vorhauer

 

Veröffentlicht am 4.November 2015



 

Ein Einzeltäter?

 

Während eines vertraulichen Gespräches in der Beratungsstelle erzählte uns die 17-jährige Markéta, dass sie von einem Bekannten sexuell missbraucht wurde. Sie erinnerte sich an mehrere Vorfälle in den letzten Jahren, bei denen auch andere Mädchen in einer Parkanlage durch den Täter zu sexuellen Handlungen genötigt und vergewaltigt wurden. Der Täter steht Markétas Familie sehr nah. Ein steiniger Weg begann, denn die Familie des Mädchens reagierte wie so häufig bei sexuellem Missbrauch, mit Überforderung, Ungläubigkeit und Wut gegenüber dem Täter, aber leider auch gegenüber Markéta.

Markéta war bereit, gemeinsam mit einer Sozialarbeiterin von KARO zur Polizei zu gehen. KARO unterstützte sie bei der Anzeigenerstattung und im Umgang mit ihrer Familie. Oft stockte sie bei den detaillierten Erzählungen der brutalen Übergriffe. Der bei der Polizei ebenfalls anwesende Gerichtsexperte befand die Aussage nach einem Gutachten zunächst für glaubhaft. Andere Opfer des Mannes wurden zur Vernehmung eingeladen. Ausnahmslos alle Mädchen hatten große Angst vor dem Täter und vor der Konfrontation mit dem Geschehenen – sie schämten sich und wollten nicht, dass ihre Familien davon erfuhren. Kein Mädchen hat daher die Aussage von Markéta bestätigt.

Es besteht auch der Verdacht, dass er schon seit Jahren immer wieder Kinder an deutsche Sextouristen verkauft. Eine Zeugenaussage und unsere Beobachtungen bestätigen dies. Doch wie so oft konnte auch dies bisher nicht eindeutig bewiesen werden.

Die Mitarbeiterinnen von KARO e.V, unterstützen und begleiten Markéta und ihre Familie weiterhin bei der Bearbeitung des Geschehenen.

Bis heute sind medizinische Behandlungen notwendig, um die Schmerzen durch die brutalen Praktiken des Täters zumindest auf der körperlichen Ebene zu lindern. Inzwischen hat Markéta auch eine psychologische Behandlung bekommen.

Wir sind stolz auf den Mut dieser jungen Frau. Sie sprach über das, was man ihr und anderen antat. Obwohl sie keine Gerechtigkeit erfuhr. Ihre Seele und ihr Körper werden die brutalen Vergewaltigungen nie vergessen.

Inzwischen hat auch ihr kleiner Bruder angefangen zu erzählen. Er ist ebenfalls Opfer von diesem Mann geworden. Als Junge hat er es besonders schwer von seinem Missbrauch zu berichten. Dennoch hat er eine Aussage bei der Polizei gemacht.

Wir wissen, dass die Kinder die Folgen lebenslang in sich tragen. Wir wissen auch um das hohe Risiko, dass sie erneut Opfer von sexueller Gewalt werden könnten. Ausgeübt durch diesen Täter oder andere.

Heftige  Gefühle von Angst, Scham, Trauer und Wut finden bei Marketa und ihrem Bruder auf unterschiedlichen Wegen Ausdruck. Ihre Eltern wissen nicht, damit umzugehen.

Wir sorgen dafür, dass diese Gefühle Raum finden. Um beide Kinder emotional zu stabilisieren, konnten wir die Eltern motivieren, sie mit ins KARO Sommercamp zu schicken. Dort war viel Zeit für intime und wertschätzende Gespräche, angestaute Energie konnte abgebaut werden und auch einfach mal abschalten war Beiden wichtig.

Für Marketa das erste Mal in ihrem Leben, dass sie so viel Zeit für sich und ihre Bedürfnisse hatte. Sie sagte selbst: „Gerade bin ich froh, weg zu sein von allem, ich will nicht darüber reden, ich will einfach nur da sein und das hier genießen“!


Neues aus der Dortmunder Mitternachtsmission

Liebe Mitglieder, liebe Leser,

 

in diesem Monat möchten wir von Viola erzählen, die Opfer von Menschenhandel geworden war.

Viola kommt mit 16 Jahren aus Lettland nach Deutschland. Zusammen mit Freundinnen ging sie auf eine Party in ihrem Nachbardorf. Sie erinnerte sich, dass einige unbekannte Männer dort gewesen waren. Ihre Freundinnen und sie hatten auch mit diesen Männern getanzt. Die Männer brachten ihnen frische Getränke. Viola war plötzlich sehr schnell müde geworden und eingeschlafen. Sie wachte allein in einem abgedunkelten Raum auf. Unmittelbar danach betraten zwei fremde Männer den Raum und teilten ihr mit, dass sie nun in Deutschland ist und hier anschaffen soll. Violas Verzweiflung und Angst waren grenzenlos. Ihr Widerstand wurde schnell durch Schläge und auch Vergewaltigungen gebrochen. Viola arbeitete in einem Bordell. Sie durfte keinen Kunden ablehnen und musste entsprechend der Wünsche der Kunden auch ohne Kondom arbeiten. Während der ersten Zeit durfte sie das Bordell nicht verlassen. Nach Wochen konnte sie in Begleitung eines Mannes raus. Sie ging nur in einen Supermarkt. Viola wusste nicht, wo sie genau war, sie wusste nichts über Deutschland. Sie verstand die deutsche Sprache nicht und konnte sich gleichfalls nicht verständlich machen. Die Männer hatten ihr gesagt, dass sie hier gute Freunde bei der Polizei haben. Den Pass hatten sie ihr schon am ersten Tag abgenommen. Viola erlebte sich in dieser Zeit nur als seelenlose Hülle. Ihr Martyrium dauerte „nur“ drei Monate. Bei einer Polizeirazzia im Bordell wurde Viola festgenommen. Nach der Vernehmung stellte die Polizei den Kontakt zur Mitternachtsmission her. Zunächst wurde sie mit angemessener Kleidung versorgt und einer Ärztin vorgestellt und medizinisch versorgt. Es stellte sich heraus, dass Viola schwanger war. Sie wollte diese Schwangerschaft auf keinen Fall. Viola wurde sicher in einer Einrichtung der Jugendhilfe untergebracht. Unsere Klientin blieb bei ihrer Entscheidung, diese Schwangerschaft abzubrechen. Sie bat bei dem Eingriff um eine Vollnarkose.

Ihr unumstößlicher Wunsch war es, nach Lettland zurückzukehren.

 

 

 Daher halfen wir ihr auch bei der Beschaffung der Pass-Ersatzpapiere. Das nahm etwas Zeit in Anspruch. Wir mussten auch Kontakt zur Großmutter in Lettland aufnehmen, da Unterlagen benötigt wurden. Viola selbst wollte noch nicht mit ihrer Großmutter sprechen und sie sollte auch nichts von Viola´s tatsächlicher Situation erfahren. Wie sollte das gehen?. Ein Mädchen verschwindet nicht einfach so in Lettland und meldet sich dann erst nach 3 Monaten wieder und dann aus Deutschland. Die Großmutter hatte Viola natürlich als vermisst gemeldet und immer wieder mit ihren Freundinnen gesprochen. Wir haben später den Eindruck gewonnen, dass nicht wirklich viel von polizeilicher Seite unternommen worden ist. Für ihre Großmutter und ihre Freundinnen präsentierte Viola eine abgeschwächte Variante ihrer Situation, dass sie entführt und geschlagen und auch im Krankenhaus behandelt worden sei, aber ansonsten nichts passiert wäre. Viola musste ihrer Großmutter bestätigen, dass wir ihr helfen, damit sie uns die notwendigen Unterlagen zusandte. Was wirklich passiert war, durften ihre Großmutter, ihre Freundinnen und alle anderen nie erfahren.

Viola gab sich an allem was passiert war, die Schuld (…hätte sie nur nicht so ausgelassen gefeiert…irgendwie hätte sie sich doch wehren oder entkommen können…wie konnte jemand nur so dumm sein…warum hatten die Männer gerade sie ausgesucht… jetzt war sie eine Prostituierte) Sie war  auch davon überzeugt, dass es ihr jedoch alle anmerken mussten. Hinzu kam die Angst, dass die Täter wieder kommen würden.  Trotz allem wollte Viola nach Hause.

Wir betreuten Viola intensiv und fanden eine Beratungsstelle in Lettland (diese Mitarbeiterinnen kennen die wirkliche Geschichte), die sie nach ihrer Rückkehr weiter betreuten. Sie holten Viola vom Bahnhof ab und begleiteten sie fast bis zu ihrem Heimatdorf.

Viola trifft die lettischen Kolleginnen immer noch.

Mit herzlichen Grüßen aus der Mitternachtsmission

 

Silvia Vorhauer

 

 

Veröffentlicht am 1. September 2015

 



 

 

Neues im Juni aus der Dortmunder Mitternachtsmission

Liebe Unterstützer(innen) von SchlussStrich,

Wir als Dortmunder Mitternachtsmission freuen uns so sehr, wenn wir erleben dürfen, dass unser Hilfsangebot greift und Menschen eine Chance bekommen, sich ein neues und selbstbestimmtes Leben aufbauen zu können. Wir sind sehr dankbar für Eure Unterstützung die das alles mit ermöglicht und teilen sehr gerne diese wunderbare Geschichte mit Euch, die wirklich sehr viel Anlass zur Freude gibt.

Joyce ist 19 Jahre alt und kommt aus einem kleinen Dorf in Nigeria.Dort lebte sie seit ihrer Kindheit bei ihrer Großmutter, da ihre Mutter gestorben war und der Vater eine andere Frau geheiratet hatte, die Joyce nicht bei sich aufnehmen wollte. Joyce und ihre Großmutter lebten in großer Armut. Als Joyce 18 Jahre alt war, wollte ihr Vater sie mit einem älteren Mann verheiraten. Der ältere Mann hatte viel Geld dafür bezahlt. Joyce wollte diesen Mann nicht heiraten. Ihre Großmutter konnte sie auch nicht beschützen. Joyce rannte von zu Hause weg. Auf der Straße lernte sie eine Frau kennen, die ihr helfen wollte. Sie versprach Joyce eine Arbeit als Kindermädchen in Europa. Die Frau organisierte für Joyce alle Papiere und brachte sie zu einem Juju-Priester, wo sie einen Vodooschwur ablegen musste. Sie musste schwören, der Frau die Kosten für die Reise zurück zu zahlen. Joyce wurde dann einem Mann übergeben, der sie nach Europa bringen sollte.

Joyce musste zusammen mit mehreren Frauen einen langen Weg durch die Wüste nach Libyen gehen. Unterwegs wurde die Gruppe von Banditen überfallen. Alle Frauen wurden vergewaltigt und einige andere von den Banditen getötet. In Libyen angekommen reichte das Geld nicht weiter für die Überfahrt nach Europa aus. Der Schlepper zwang Joyce und einige andere Frauen sich zu prostituieren. Als genug Geld erarbeitet wurde fuhr Joyce mit den anderen in einem kleinen Boot Richtung Lampedusa. Die Bootsfahrt dauerte mehrere Tage, ohne Essen und Trinken. Während der Überfahrt sind einige Menschen ertrunken. Joyce hatte Glück und wurde gerettet.

Joyce wurde dann in eine Asylunterkunft in Italien gebracht. Die Frau (die Madame) aus Nigeria kannte sich anscheinend sehr gut mit den Flüchtlingsstrukturen aus und konnte Joyce ausfindig machen. Sie nahm Joyce mit zu sich nach Hause und zwang sie zur Prostitution. Zudem nahm sie ihr alle Papiere ab.

Nach einiger Zeit wurde Joyce schwanger. Die Madame drohte ihr, dass Kind weg zu nehmen und zu verkaufen. Daraufhin floh Joyce, als die Madame dachte, dass sie auf der Arbeit sei.

An einem Bahnhof in Italien bettelte sie und schlief mehrere Tage auf der Straße. Als sie genug Geld zusammen hatte, kaufte sie sich ein Ticket und stieg in einen Zug der nach Deutschland fuhr. Joyce kam schließlich in Dortmund an. Dort schlief sie ebenfalls eine Nacht auf der Straße. Am frühen Morgen sprach sie eine afrikanische Frau an, die ihr die Adresse und Telefonnummer der Dortmunder Mitternachtsmission gab.

So stand Joyce schließlich hoch schwanger, ohne Schuhe und nur mit den Kleidern die sie am Laibe trug vor der Tür der Beratungsstelle. Joyce wurde mit Essen, Trinken und Kleidung versorgt und eine Unterkunft organisiert. Zudem wurde sie sofort zu einem Arzt begleitet, da sie unter starken Schmerzen litt. Des weiteren wurden Hilfen zum Lebensunterhalt beantragt und ihr Aufenthalt legalisiert. Joyce war sehr traumatisiert und fasste nur mühselig Vertrauen zu den Mitarbeiterinnen der Mitternachtsmission. Erst nach einigen Monaten vertraute sich Joyce den Mitarbeiterinnen an. Da Joyce aus Angst keine Anzeige bei der Polizei machen wollte, beantragte sie mit Hilfe der Mitternachtsmission Asyl. Erst nach der Geburt ihres Kindes entspannte sich Joyce allmählich. Schnell wurde ihr Asylantrag positiv entschieden.

Mittlerweile lebt Joyce mit ihrem Kind in einer eigenen Wohnung und macht einen Integrationskurs.

 

Mit herzlichen Grüßen aus der Mitternachtsmission

Silvia Vorhauer

 

(Dortmunder Mitternachtsmission e.V.)

 

Veröffentlicht am 22. Juni 2015